Was bewegt die Schweiz 2017?

Fragt man Menschen auf der Strasse, was typisch sei für die Schweiz, nennen die meisten «Fondue», «Pünktlichkeit» und «direkte Demokratie». Wir wollten es genauer wissen und haben für Sie die Megatrends aufgespürt.

Einige dieser Trends werden bereits 2017 Realität, auf andere werden wir noch etwas länger warten müssen. Sie können unser Denken und Handeln, unsere Werte sowie letztlich auch unsere Kaufentscheide beeinflussen.

Datenschutz Digitalisierung

Digitale Welt

Der wichtigste Trend ist auch 2017 die Digitalisierung. Das Internet der Dinge wird unseren Alltag weiter vereinfachen. Der intelligente Kühlschrank zum Beispiel bestellt selbstständig Nachschub, sobald etwas aufgebraucht ist. Die digitale Informationsflut nimmt weiter zu. Doch unser virtueller Datenmantel wird mithilfe eines Algorithmus so gefiltert, dass wir nur auf unsere Bedürfnisse ausgerichtete Informationen erhalten. Mit der zunehmenden Vernetzung der Geräte steigt aber auch die Gefahr, dass diese von aussen lahmgelegt werden. Weil Computer und Netzwerk immer besser geschützt sind, nehmen Hacker vermehrt das Internet der Dinge ins Visier. Zusammen mit Kamera- und Tonsteuerung sowie mit Drohnen wird das traute Heim zur Spielwiese von Cyberkriminellen.

Modellierte Realität

„Personalisieren“ und „Modellieren“ sind 2017 Schlüsselbegriffe der Trendforschung. In den Sozialen Medien gestalten wir die Realität bereits nach unseren Vorlieben: Wir präsentieren uns so, wie wir sein wollen (Virtual Identity). Dieser Trend weitet sich auf das reale Leben aus. In der Medizin können wir mithilfe von DNA-Tests das Risiko für künftige (Erb-)Krankheiten besser abschätzen oder verringern. Dank der Nachfrage sinken die Preise für diese Tests nun auch in Europa.

Personalisierte Ernährung

Forscher von Nestlé tüfteln an personalisierten Nahrungsmitteln, die optimal auf unsere Gene abgestimmt sind. In Zukunft besitzt jeder seinen persönlichen Online-Supermarkt. Die sogenannte Nutrigenetik ist 2017 auf dem Vormarsch. Weil die Gene auch unseren Stoffwechsel beeinflussen, kann ein und dieselbe Nahrung völlig unterschiedlich auf zwei Menschen wirken. Essen ist vermehrt Teil des persönlichen Lifestyles und soll nicht nur satt, sondern auch gesund machen. Das zeigt die gestiegene Nachfrage nach Chia-Samen, Acai- und Goji-Beeren oder nach der Kurkumawurzel. Das archaische Bedürfnis nach Vitalität und einem langen Leben erklärt die Erfolgswelle von Superfood.

Insekten Delikatesse

Insekten auf dem Teller

Das Essen von Insekten wirkt dagegen wie eine Rückkehr zu unseren Anfängen. Doch der Verzehr von Mehlwürmern oder Heuschrecken, um dem Körper tierische Eiweisse zuzuführen, ist ein Megatrend in der Ernährung. Bereits heute wird rund ein Viertel der weltweiten Ackerfläche zur Produktion von Tierfutter genutzt. Dass diese Kapazitäten nicht endlos erhöht werden können, liegt auf der Hand. Gemäss der Schweizerischen Lebensmittelverordnung sind ab Frühling 2017 drei Insektenarten zum Verkauf zugelassen. Der Grossverteiler Coop will denn auch ab dem ersten Tag der Legalisierung Insektenprodukte in seinen Regalen feilbieten. Ob allerdings Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken dauerhaft Einzug in eidgenössische Küchen halten werden, ist fraglich. Dieser Trend ist vermutlich erst in ferner Zukunft „zum Verzehr geeignet“.

Roboter mit emorionaler Intelligenz

Roboter mit emotionaler Intelligenz

Roboter sind bei komplizierten Operationen bereits heute unverzichtbare Assistenten in Spitälern, allerdings werden sie noch nicht in der Nachsorge eingesetzt. Die nächste Generation der Roboter ist mit emotionaler Intelligenz ausgestattet. Das eröffnet neue Einsatzgebiete, wie z. B. in der Pflege. Dort ist neben der präzisen Ausführung von Handgriffen und Arbeitsschritten auch so etwas wie die „virtuelle Empathie“ der Roboter gefragt. Zudem werden Drohnen dereinst den Postboten ersetzen. Amazon prüft in den USA bereits seit Längerem die lokale Paketzustellung durch Kleinsthubschrauber. Die Schweizerische Post will 2017 erste Versuche starten.

Virtuelle Realität im Wohnzimmer

Der chinesische Online-Händler Alibaba hat sich mit dem Start-up Magic Leap aus Florida zusammengetan. Gemeinsam planen sie das Online-Einkaufserlebnis der Zukunft: Mixed-Reality-Shopping. Die eigene Wohnung wird zum Katalog. Mittels Datenbrille wählen Sie ihr Objekt der Begierde aus dem Online-Angebot und platzieren es inmitten Ihres Wohnambientes. Wenn’s passt, einfach klicken und die Bestellung wird ausgelöst. Google und andere Investoren buhlten zuvor um Magic Leap und steckten bereits über eine halbe Milliarde Dollar in das Start-up-Unternehmen. Aber auch Museen werden die digitale Konkurrenz zu spüren bekommen. Immer mehr bedeutende Sammlungen wandern ins Netz und können virtuell mit Datenbrille als 3D-Erlebnis besucht werden.

Zurück zur Natur

Die Natur liegt im Trend. Der Feriengast von heute möchte in einer echten, ursprünglichen Umgebung Kraft tanken und die lokalen Spezialitäten kennenlernen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Wunschdenken. Die Schweiz gehört bereits heute zu den nachhaltigsten Destinationen weltweit. Schweiz Tourismus will dieses aktuelle Thema aufnehmen. Die Sommerkampagne 2017 der nationalen Marketing- und Verkaufsorganisation soll bei internationalen Gästen das Begehren nach nachhaltigen Reisen wecken.

Typisch Schweiz

Wir lehnen uns hier weit aus dem Fenster und versuchen, Ihnen einen Überblick über die Megatrends 2017 zu geben – und bauen damit zuweilen Luftschlösser, denn in Stein gemeisselt ist noch nichts. Die Trends entstehen in den Köpfen zahlreicher Ingenieurinnen und Ingenieure oder stecken in den Schubladen der Entwicklungsabteilungen führender Konzerne.

Seit dem 1. Januar 2017 ist zudem das neue Swissness-Gesetz in Kraft. Es regelt den Gebrauch der Marke Schweiz und des Schweizer Kreuzes auf Waren und Dienstleistungen. Welches hingegen für Herr und Frau Schweizer die zehn wichtigsten, typisch schweizerischen kulturellen Eigenarten sind, zeigte eine Umfrage von „20min.ch“:

1.    Fondue
2.    Cervelat
3.    Pünktlichkeit
4.    Schokolade
5.    „Migros-Kinder“/„Coop-Kinder“
6.    Matterhorn
7.    Neutralität
8.    direkte Demokratie
9.    hohe Preise
10.    Sorgfalt

Text: Michael Kummer, Bestswiss

Bilder: zVg, Internet

Einmal wöchentlich erscheint unser Newsletter mit handverlesenen Inhalten. Das Beste direkt in Ihrer Mailbox.

Merken

Merken

An einen Freund senden