Herr und Frau Bünzlis sind echte Schweizer | Bestswiss

Bünzli – na und?

Spielverderber, Waschküchentyrannin, biederer Kleinbürger? Keine Schweizerin und kein Schweizer will ein Bünzli sein, aber viele sind es doch ein bisschen. Doch was ist ein Bünzli eigentlich? Und woher kommt der Begriff?

Bünzli na und?
Herr und Herr Bünzli

Wir sind doch alle Bünzlis

Er ist derjenige, der wegen Lärmbelästigung die Polizei ruft, sich über drei Minuten Zugverspätung aufregt, auf Tischuntersetzer für das Wasserglas besteht und seinen Garten mit selbstgezüchteten Geranien und einer Gartenzwergfamilie auf akkurat getrimmtem Rasen schmückt. Wir alle glauben ihn zu kennen, den klassischen Bünzli, den Spiess- oder Füdlibürger (ihn gibt es natürlich auch in weiblicher Ausführung, bloss fehlt hierfür bislang noch die offizielle Bezeichnung). Doch was steckt hinter den Klischees? Und woher stammt dieser typisch schweizerische Begriff ursprünglich? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Von Herrn Bünzli zum Kartenspiel

Nicht immer hatte das Wort „Bünzli“ eine negative Bedeutung. Ursprünglich ist Bünzli nämlich ein ganz normaler Zürcher Familienname. Erst im 20. Jahrhundert verankerte sich der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch als Bezeichnung für einen Spiessbürger. Wesentlich dazu beigetragen haben Film und Literatur: Im Jahr 1856 erschuf Gottfried Keller in seiner Novelle „Die drei gerechten Kammmacher“ mit der ordentlichen und sparsamen Figur Züs Bünzlin den „Ur-Bünzli“ (oder die „Ur-Bünzlin“, besser gesagt). Zum Durchbruch verhalf dem Begriff dann der Komiker Fredy Scheim, der in den Dreissigerjahren in Dialektpossen und -filmen den biederen Heiri Bünzli spielte. Mittlerweile gibt es sogar ein Kartenspiel mit dem Namen „Kampf gegen das Bünzlitum“.
Office Bestswiss
Ordnung bei Bestswiss

Der Bünzlifaktor

Wann ist ein Bünzli ein Bünzli? Wir haben unter den Mitarbeitern von Bestswiss nachgefragt. Ein Bünzli ist zunächst einmal ein Schweizer Bürger, so ein richtiger Eidgenosse halt. Einige bewerten ihn als engstirnig und etwas verkorkst, der Blick über den eigenen Gartenzaun geht ihm schon zu weit. Weiter gilt er als pingelig und sehr ordentlich, vermutlich sortiert er sogar seine Unterwäsche nach Farben. Der Prototyp-Bünzli ist nicht sehr offen und plauderfreudig, er mag es ruhig und setzt sich im ÖV nicht gerne neben fremde Menschen. Der Bünzli ist kein Träumer und auch nicht sonderlich kreativ, vielmehr gehört er zum Typus „pragmatischer Realist“. Ausserdem ist er eher ängstlich und probiert grundsätzlich nicht gerne Neues aus. Aber nicht immer muss das Wort Bünzli eine negative Bedeutung haben: Ein Bünzli kann auch einfach jemand sein, der mit wenig zufrieden ist und das Einfache im Leben schätzt.

Es lebe der Bünzli

Die versuchte Charakterisierung zeigt: „Den“ Bünzli gibt es nicht. Er ist ein polarisierendes Konstrukt ohne einheitliche Definition. Im Grunde steht der Bünzli wohl einfach für das ganz Normale im Menschen, das man nicht immer gerne zugibt. Aber Hand aufs Herz: Sind wir nicht alle ein bisschen bünzlig? Normal zu sein ist ja nicht zwingend schlecht. Und so ein klein wenig Spiessigkeit zwischendurch ist auch vollkommen okay. Übrigens tragen in der Schweiz noch heute mehrere Hundert Leute den Nachnamen Bünzli – und nehmen’s mit Humor. In dem Sinne: Stehen wir zum Bünzli in uns! Denn irgendwie gehört ein moderates Bünzlitum ja auch zur Schweiz und ihren Bewohnern – fast wie Käse und Schoggi. Mehr zum Thema: In der Rubrik „Persönliche Highlights – Bestswiss stellt sich vor“ ermitteln die Mitarbeiter von Bestswiss ihren persönlichen Bünzlifaktor. Und wie bünzlig sind Sie? Text: Nathalie Emmenegger, Bestswiss

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