Wenn ein Lichtlein brennt … oder die Geschichte der Kerze | Bestswiss

Wenn ein Lichtlein brennt … oder die Geschichte der Kerze

Kerzen entstanden aus dem einfachen Bedürfnis heraus, die Dunkelheit mit Licht zu vertreiben. Die Tatsache, dass die Herstellung bis heute einiger Kritikpunkte würdig ist, ist noch nicht besonders verbreitet.

Licht, Wärme und Geborgenheit

Sie sind aus dem Alltag nicht wegzudenken: Ob Teelichter, Block-, Schicht-, Schwimm-, Stab-, Duft-, Tauf- oder Baumkerzen. Es gibt sie in jeglicher Form: Herzen, Sterne, Glocken, Tiere wie Elefanten oder Glücksschweinchen, Blumen wie Rosen oder Margarethen, in jeglichen Farben. Wir finden sie an Hochzeiten, bei Taufen, auf Friedhöfen und an Beerdigungen. In der Kirche zünden wir Kerzen an, um unseren Verstorbenen zu gedenken oder um uns Rat und Beistand bei Gott zu holen. Am Geburtstag zünden wir sie an, um uns beim Ausblasen etwas zu wünschen, bei Verabredungen sorgen sie für romantische Stimmung und an Weihnachten läutet das erste Lichtlein am Kranz die Adventszeit ein. Sie spenden Licht, Wärme und vermitteln das Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Egal zu welcher Jahreszeit, Kerzen sind überall. Aber wie entstand eigentlich die Idee, Wachs in Formen zu giessen, einen Docht einzubetten und diesen anzuzünden?

Kerze und Licht mit Haenden
Weisse Kerze

Die ersten Lichter

Steinerne, mit Talg oder Tran gefüllte Lampenschalen, in denen ein Docht brannte, gab es wahrscheinlich schon vor rund 40’000 Jahren. Kerzen im weitgefassten Sinn gibt es Schätzungen zufolge bereits seit 5000 Jahren. Wer dabei aber an weisse Wachskerzen mit herkömmlichem Docht denkt, hat weit gefehlt. Die frühesten Kerzen dienten in erster Linie als Lichtquelle, weswegen sie auch einfach als Lichter und nicht als „Kerzen“ bezeichnet wurden. Im Althochdeutschen finden sich dann die Bezeichnungen wie kerza oder karz, die etwa mit der Bedeutung „Talg, Wachslicht“ gleichzusetzen sind und für das Mittelhochdeutsche kerze oder kirze, die für die Bezeichnungen „Werg, Zunder, Docht, Licht und Kerze“ stehen. Möglicherweise stammt die Bezeichnung vom lateinischen charta (Papyrusblatt, Schreibmaterial, Schriftstück) ab, da Kerzen lange Zeit aus gewickelter, mit Öl getränkter Birkenrinde hergestellt wurden. Historischen Befunden zufolge kannten viele weitere frühe Zivilisationen das Konzept der Kerze. Meist wurden Wachse von verfügbaren Pflanzen oder Insekten verwendet. Indien beispielsweise kannte eine Herstellungsart, bei der durch das Kochen der Früchte des Zimtbaumes Wachs gewonnen wurde. In Japan wurden sie aus dem Wachs von Baumnüssen hergestellt. Die ältesten erhaltenen Bienenwachskerzen nördlich der Alpen stammen aus der Merowingerzeit (6./7. Jahrhundert). Überreste wurden im Gräberfeld von Oberflacht im Bundesland Baden-Württemberg (Landkreis Tuttlingen) gefunden.

Bienenwachskerzen

Das Licht der armen Leute

Im Mittelalter verbreitet waren Fette, meist von geschlachteten Rindern oder Hammeln, die in ein Gefäss gegeben wurden, in welches als Art Docht – je nach Quelle – entweder Zweige, Kienspäne, Schilfrohr, Stroh oder Hanf getunkt wurde. Diese Art der Kerze war das Licht der armen Leute, denn sie verströmten einen penetranten unangenehmen Duft und russten stark. Adel und Klerus in Europa liessen ihre Kerzen aus Bienenwachs herstellen, was angenehmer duftete. Die Herstellung aus Bienenwachs war aufwändiger und teurer, weswegen sich das gemeine Volk dieses Luxusgut nicht leisten konnte.

Luxuslichter fördern den Walfang

Ab 1725 entdeckte man für die Kerzenherstellung das sogenannte Walrat, mit dem Luxuskerzen hergestellt wurden. Walrat ist eine fett- und wachshaltige Substanz, die der Melone im Kopf von Pottwalen entnommen wird. Walratöl wurde bevorzugt für Öllampen und Kerzen verwendet, da es heller ist und sauberer verbrennt als herkömmliche Stoffe und zudem keinen schlechten Duft verströmt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Aufkommen der billigeren Stoffe Paraffin und Stearin das Walrat ersetzt.

Funkende Glühbirne

Auf dem Abstellgleis

Während des 19. Jahrhunderts, mit der Entdeckung der Elektrizität und den nach und nach sich ständig verbessernden Arten der Glühlampen (im Volksmund auch einfach als Glühbirne bezeichnet), wurden Kerzen zunehmend vom Markt verdrängt. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sie ihre Funktion als lebensnotwendiges Hilfsmittel zur Lichtgewinnung verloren. Dass sie heute noch immer ein beliebtes Gadget sind, verdanken sie unter anderem der im 20. Jahrhundert aufkommenden Kunst, Kerzen auf die verschiedensten Arten zu gestalten und sie so für dekorative Zwecke einzusetzen. Heute verbinden wir Kerzenlicht vor allem mit gemütlichen Abenden zu Hause oder romantischen Abendessen, weswegen sie im letzten Jahrhundert ihren Beliebtheitsgrad fast konstant beibehalten haben. Umso wichtiger ist es heute, eine umweltfreundliche Kerzenkultur zu fördern.

Paraffin und Stearin

Paraffin ist mittlerweile beliebter Bestandteil in Kerzen und Kosmetika. Dabei sollte man diesem Stoff nicht ohne Argwohn begegnen. Paraffin ist ein Abfallprodukt der Erdölindustrie. Da es geruchs- und geschmacklos, ölig und wachsartig sowie wasserabweisend und leicht brennbar ist, eignet es sich perfekt für die Kerzenherstellung. Welchen genauen Effekt Paraffin auf Menschen und Umwelt hat, ist wissenschaftlich noch nicht zufriedenstellend erforscht. Jedoch ist klar, dass durch die Kosmetika Paraffine täglich ins Abwasser und somit in die Trinkwasserversorgung gelangen. Dieser Stoff ist biologisch nicht abbaubar. Zudem kommt, dass Paraffin nur durch die Herstellung von Erdöl gewonnen werden kann. Auch das daneben häufig verwendete Stearin ist nicht ganz ohne Tücken. Stearin wird aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen gewonnen. Sofern diese Stoffe aus nachhaltig angebauten Rohstoffen hergestellt werden (Bio-Produkte), ist eine Verwendung wahrscheinlich unbedenklich. Jedoch wird Stearin häufig aus Palmöl gewonnen, wobei dieses für die Zerstörung der natürlichen Vegetation bekannt ist.

Nachhaltig geht eben doch!

Um nachhaltige Kerzen produzieren zu können, wird heute meist auf Bienenwachs oder Sojabohnenwachs zurückgegriffen. Die Herstellung ist dadurch aufwendiger und die Kerzen dementsprechend teurer. Vor allem gilt es darauf zu achten, dass es sich bei dem Bienenwachs nicht um ein industriell hergestelltes Produkt handelt. In der Schweiz gibt es mittlerweile wenige Anbieter, die sich der Herstellung gesunder Kerzen verschrieben haben. Die Arven-Kerze beispielsweise der ARGO Stiftung wird zu Hundertprozent natürlich aus Raps- und Sojawachs hergestellt. Für den Duft werden nur natürliche Duftstoffe verwendet und bei der Herstellung wird darauf geachtet, dass keine tierischen Produkte verwendet werden. Das Produkt ist in zweifacher Ausführung auch im Bestswiss Shop erhältlich.

Fun-Fact

Bis zur Entdeckung von Paraffin und Stearin im 19. Jahrhundert war es bei Kerzen nötig, während des Abbrennens die Dochte regelmässig zu kürzen. An Höfen und in der Kirche entwickelte sich daher ein eigener Berufszweig: Der Wachsschneuzer. Er war ausschliesslich dafür zuständig, bei Kerzen die Dochte zu kürzen, damit sie weniger russten und tropften.

Text: Bestswiss, Kathrin Schuler

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Quellen: Tagblatt, european candle assosciation, Nordkerzen, BR Wissen

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