Grüezi

„Grüezi“ – diesen Gruss hört man täglich viele Male, wenn man zu Fuss unterwegs ist, so wird an der Migros-Kasse gegrüsst und am SBB-Schalter die Kundschaft empfangen. Erfahren Sie mehr über das „Grüezi“ aus der Schweiz.

Grüezi wohl, Frau Stirnimaa

Bereits in den 1960er-Jahren erlangte das Grüezi mit dem Erfolgshit „Grüezi wohl, Frau Stirnimaa“, der sich in 27 Ländern mehr als eine Million Mal verkauft hat, internationale Bekanntheit. Der Song der Zürcher Musikgruppe Minstrels hat die Schweizer Grussformel somit auch einem Publikum ausserhalb der Landesgrenzen nähergebracht. So kennen mittlerweile zwar viele das Schweizer Grüezi, doch nur die wenigsten wissen, welchen Ursprung der einheimische Gruss hat. Auch in welchen Situationen er verwendet wird oder wie man ihn ausspricht, ist nicht allen bekannt.

Grüezi - Schweizer Grussform

 

„Gott grüsse Euch“ oder einfach „grüezi“
Es gibt nicht nur das Grüezi, sondern mindestens ebenso oft hört man in der Schweiz auch das „Grüessech“. Bei den beiden im mündlichen Gebrauch vorkommenden Anredeformen handelt es sich um zwei Varianten derselben Grussformel. Der Unterschied besteht darin, dass das „Grüessech“ für den westlichen und nordwestlichen Teil der Deutschschweiz (Solothurn, Bern und Basel) und das „Grüezi“ für die Zentral- und Ostschweiz sowie für die Kantone Aargau und Zürich bezeichnend ist. Auch wenn sie unterschiedlich klingen mögen, beide Varianten sind vom ursprünglichen „Gott grüez i“ abgeleitet. Das alte „Gott grüez i“ steht der Bedeutung nach für „Gott grüsse Euch“ (2. Person Singular), das wiederum dem standarddeutschen „Gott grüsse Sie“ entspricht.

Im Lauf der Zeit entwickelte sich das ehemalige „Gott grüez i“ einerseits zu einem „Gott grüezt“, das man heute vor allem in ländlichen Gegenden hört, und andererseits zum modernen „Grüezi“ und „Grüessech“, Grussformeln, die überall in der Deutschschweiz die Begegnungen im Alltag prägen.

 

Grüezi wohl Frau Stirnimaa - Video

Die Ministrels, eine ehemalige Schweizer Folk- und Popgruppe mit ihrem Hit „Grüezi wohl, Frau Stirnimaa“

Der Gruss – eine Frage des Stils
Aber auch „tschou“, „tschau“, „säli“, „sali“, „salü“, „hoi“, „hallo“, „Tag wohl“, „guete Tag“ und „gueten Aabig“ sind Grüsse, die in der Schweiz verbreitet sind. Obwohl in verschiedenen Regionen unterschiedliche Grussformen bevorzugt werden, lässt sich beobachten, dass heutzutage vor allem persönliche Vorlieben den Entscheid für oder wider einen bestimmten Gruss beeinflussen. So haben beispielsweise das „Salü“ (vom franz. „salut“) und das „Ciao“ die Grenzen ihres ursprünglichen Sprachraums überschritten und sind heutzutage auch in der Deutschschweiz zu hören. Die Wahl der Grussformel ist also keinesfalls primär eine Frage des geografischen Raums oder des Herkunftsorts der Sprecherin oder des Sprechers, sondern vielmehr eine des persönlichen Stils.

Vom Siezen und Duzen
Egal welchen Gruss man bevorzugt, auf Höflichkeit sollte man bedacht sein und die Wahl des Grusses sollte sich stets dem Adressaten anpassen. Dabei gilt, dass das Grüezi und das Grüessech zur Begrüssung von Personen verwendet wird, die man siezt. Während das Grüezi nur beim Siezen gebraucht wird, gibt es unzählige weitere Anredeformen, die beim Duzen angemessen sind. Dazu kann auf alle regionalen Varianten von „tschau“, „säli/sali“ oder „hoi“ zurückgegriffen werden.

Wenn Sie jemanden siezen, ist also ein Grüezi oder Grüessech erwünscht. Zwei Ausnahmen gibt es jedoch: Wenn das Grüezi in Kombination mit der Nennung des Vornamens auftritt, kann es auch bei Personen verwendet werden, die man eigentlich duzt. Diese Mischform wird meist gewählt, wenn in einem Beziehungsgefüge eine einseitige Anrede mit Du besteht, wenn also beispielsweise eine ältere Person eine jüngere duzt, von dieser jedoch gesiezt wird. Mit der Verwendung der erwähnten Mischform kann bewirkt werden, dass sich das Gegenüber trotz der Nennung des Vornamens diskret und formell angesprochen fühlt. Einen weiteren Spezialfall stellen die tageszeitabhängigen Grussformeln dar, beispielsweise „guete Tag“ oder „guete Aabe“. Sie lassen keine Rückschlüsse auf das Siezen oder Duzen zu, stehen also für Anreden mit Du oder Sie zur Verfügung.

Es heisst „grü-ezi“
Mit einem höflichen und formellen Grüezi kann – zumindest in der Deutschschweiz – also beinahe nichts schiefgehen. Angemerkt sei, dass einer Person, deren Muttersprache nicht Schweizerdeutsch ist, tendenziell eher davon abgeraten wird, jemanden mit einem Grüezi zu begrüssen. Wer es trotzdem versuchen möchte mit dem Grüezi, sollte auf eine korrekte Aussprache bedacht sein: So sagt man „grü-ezi“ (und keinesfalls „grüzzi“).

Nun bleibt nur noch eines: Den mutigen unter den fremdsprachigen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern viele aufmunternde Grüezi-Begegnungen zu wünschen und allen anderen ein klassisches „Guten Tag“ zu empfehlen

Mehr zu der Schweiz und Ihren Leuten finden Sie hier.

Text: Deborah von Büren, Bestswiss

 

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