Chuchichäschtli – oder die Chuchi und das Chäschtli

Das Chuchichäschtli – ein Möbelstück, das in der Küche die wenigsten interessiert, im Sprachgebrauch jedoch häufig für Aufmerksamkeit sorgt. Doch wieso den ganzen Wirbel um das Chuchichäschtli?

Chuchichaeschtli der Zungenbrecher schlechthin

Chuchichäschtli – oder die Chuchi und das Chäschtli

Chuchichäschtli – einfacher geschrieben als gesagt. Denn gerade für Deutsche, die keinen Schweizer Dialekt sprechen, ist die Aussprache des Worts Chuchichäschtli tückisch. Meist klingt es dann eher wie Guggigäschtli statt Chuchichäschtli – ganz zum Vergnügen der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer.

Wer sich das Wort genauer anschaut, dem fällt wahrscheinlich relativ schnell auf, dass es sich beim Chuchichäschtli um ein Kompositum handelt – also um ein zusammengesetztes Wort. Aus welchen beiden Stammwörtern das Chuchichäschtli gebildet wird, ist ebenfalls ziemlich rasch erkennbar. Zusammengesetzt ist das Chuchichäschtli aus Chuchi und Chäschtli. In der Deutschschweiz muss man sicherlich niemandem erklären, worum es sich dabei handelt, doch wer das Schweizerdeutsch nicht beherrscht, dem stellen sich nun wohl einige Verständnisfragen. Die korrekten Übersetzungen der beiden Begriffe ins Standarddeutsche lauten Küche und Kästchen. Ja, die Schweizerinnen und Schweizer mögen das Diminutiv, deshalb sagt man hierzulande eben Kästchen und spricht nicht vom Kasten oder gar vom Schrank. Das Chuchichäschtli ist also nichts anderes als ein kleiner Küchenschrank.

Von der korrekten Aussprache

Ist die eine Frage geklärt, stellt sich sogleich die nächste. Denn nur zu verstehen ist meist nicht befriedigend, vielmehr möchte man seine Sprachkenntnisse auch aktiv einsetzen. So stellt sich denn die alles entscheidende Frage: Wie spricht man dieses Chuchichäschtli nun aus?

Eine kleine Vorwarnung scheint angebracht: Das Wissen um die korrekte Aussprache schützt keinesfalls vor einer unkorrekten Aussprache. Wie das Wort Chuchichäschtli auszusprechen ist, muss gelernt sein, und dann heisst es üben. Insbesondere Personen aus dem deutschen Sprachraum, die kein Schweizerdeutsch sprechen, bereitet die Aussprache teilweise erhebliche Mühe. Doch woran liegt das, besteht doch zwischen den unterschiedlichen deutschen Dialekten eine nahe Verwandtschaft?

Das ch macht den Unterschied

Im Sprachgebiet, in dem der hochalemannische Dialekt verbreitet ist (dazu gehören grosse Teile der Deutschschweiz, Luxemburgs, Teile Südbadens und des österreichischen Vorarlbergs), wird ein k – anders als im Standarddeutschen – zu einem ch. Das zeigt sich nicht nur am Beispiel der Küche (Chuchi), sondern auch bei Wörtern wie Kleider (Chleider), Kopf (Chopf), Kugel (Chugle). Für das Schweizerdeutsche ist dabei bezeichnend, dass das ch jeweils als Ach-Laut realisiert wird (wie bei Bach, Buch, Fach).

Die Aussprache dieser Buchstabenkombination bereitet vielen, die Schweizerdeutsch lernen, Mühe. Das hat damit zu tun, dass ein ch in den deutschen Dialekten häufig als weicher Ich-Laut (wie bei Milch, ich, weich) und nicht wie im Schweizerdeutschen als tief im Hals betonter Ach-Laut gesprochen wird. Zudem ist es so, dass im Standarddeutschen ein am Wortanfang stehendes ch, auf das die Vokale a, o oder u folgen, im Standarddeutschen sogar als [k] gesprochen wird (wie bei Chor, Chaos, Cholera).

Werfen wir nun wieder einen Blick auf das Chuchichäschtli. Hier liegt nun der Fall so, dass am Wortanfang ein ch steht, auf das der Vokal u folgt. Im Schweizerdeutschen wird dieses ch nun als Ach-Laut gesprochen, während – wie unter Punkt 2 aufgeführt – im Standarddeutschen das ch als [k] gesprochen werden müsste. Genau diese Umstellung in der Aussprache ist es, die beim Lernen von Schweizerdeutsch grosse Mühe bereitet.

Ein schwieriger Sonderfall – das dreifache ch

Und um das Ganze für Personen, die keinen Schweizer Dialekt sprechen, noch etwas hoffnungsloser zu gestalten, wird der für das Hochalemannische typische Ach-Laut im Chuchichäschtli verdreifacht. Denn auch die zweite und die dritte Silbe weisen den Anlaut ch auf. So heisst es denn schliesslich korrekterweise Ch(Ach-Laut)–uch(Ach-Laut)–ich(Ach-Laut)–äschtli.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Einerseits kennt jede Schweizerin und jeder Schweizer den standarddeutschen Begriff Küchenschrank, andererseits kommt dem Chuchichäschtli hierzulande als Alltagsthema kein hoher Stellenwert zu. Wer sich zusammen mit den Einheimischen über das eigene Unvermögen, das Chuchichäschtli korrekt auszusprechen, amüsieren möchte, darf sich natürlich jederzeit gerne in der Sprachproduktion der drei ch üben.

 

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Text: Deborah von Büren, Bestswiss

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