Im Fokus: 15 typische Schweizer Produkte

Wir wollten wissen, welche Produkte nach Meinung von Herrn und Frau Schweizer typisch sind für unser Land. Welche Lebensmittel oder Gegenstände prägen uns bereits von Kindsbeinen an so stark, dass wir sie gegebenenfalls mit auf die Insel nähmen?

 

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15 typische Schweizer Produkte

Wir stellen Ihnen 15 typische Schweizer Produkte in drei wöchentlich aufeinanderfolgenden Teilen vor. Am Schluss des dritten Teils erfahren Sie, welche drei die allertypischsten Schweizer Produkte sind und es auf die Siegertreppe geschafft haben. Für die Ermittlung der Liste haben wir eine Umfrage gemacht und die Ergebnisse mit den Resultaten von zwei anerkannten Studien der Agenturen Interbrand und Hawas Worldwide abgeglichen. Die Hitparade der 15 typischsten Produkte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie können auf unserer Facebook-Seite Ihren ganz persönlichen Favoriten küren.

1828: Glarner Tüechli. 2500 Quadratzentimeter Heimat

Das Original Glarner Tüechli in türkischrot ist mit dem unverkennbaren Paisley-Muster bedruckt und gehört heute zum Kulturgut des Kantons Glarus. Vor fast 200 Jahren wurde es erstmals hergestellt. In diese Zeit zurück reichen die Wurzeln der Firma F. Blumer & Cie. AG, jener traditionsreichen und erfolgreichen Textildruckunternehmung, die noch heute das Original Glarner Tüechli herstellt. 

Im 17. Jahrhundert brachten Seefahrer farbig bedruckte Stoffe aus Indien nach Europa. Diese „Indiennes“ genannten Baumwolldrucke erregten durch ihre lebhaften Muster und ihre Farbenpracht grosses Aufsehen und fanden als Kleiderstoffe, Möbelbezüge und Wandtapeten reissenden Absatz. Fasziniert von den exotischen Farben und Mustern, begann man auch in der Schweiz in zeitaufwendigem Handdruck mit Holzmodeln farbige Muster auf Stoffe zu drucken. Ab 1740 entstanden im Glarnerland die ersten sogenannten Zeugdruckereien. Die Region entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren des Textildrucks in Europa. Um 1865 arbeiteten von den rund 35 000 Einwohnerinnen und Einwohnern des Kantons Glarus über 6 000 in den 22 Zeugdruckereien. Hauptsächlich von Hand bedruckten sie in einem Jahr rund 48 Millionen Meter Stoff – aneinandergereiht würde eine Stoffbahn dieser Länge mehr als einmal die Erde umspannen. 

Die Hochblüte erlebte der Glarner Textildruck zwischen 1860 und 1900. Das war auch die Zeit, in der die Männer Tabak schnupften. Dafür brauchten sie ein robustes Taschentuch. Die Glarner Tüechli eigneten sich hervorragend dafür. Die ersten Exemplare wurden in den Farben Rot und Indigoblau gefertigt. Das waren kochfeste Farben, die beim Waschen nicht ausbleichten. Das Glarner Tüechli war damals ein gefragtes Produkt. Bis nach Asien exportierte die Firma Blumer ihr Produkt. Ende des 20. Jahrhunderts wurden die ehemaligen Exportländer immer mehr zur Konkurrenz. Weil der Textildruck arbeitsintensiv ist, können Länder in Asien gedruckte Tüechli viel billiger herstellen. Die wichtigsten Absatzmärkte für Blumer sind denn auch die Schweiz und das nahe Ausland. 

Die Original Glarner Tüechli sind im Bestswiss-Shop erhältlich.

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1908: Toblerone. Matterhorn oder Revuegirls, das ist hier die Frage

Vor über hundert Jahren wurde in Bern eines der bekanntesten Schweizer Exportprodukte erfunden: die Toblerone aus Nougatschokolade. Das Wort Toblerone ist eine Kombination von Tobler und Torrone. Torrone ist eine aus Eiweiss, Mandeln, Honig und Zucker bestehende italienische Süssware. Als die Toblerone 1908 auf den Markt kam, fehlte das Matterhorn auf der Verpackung. Erst 1970 schaffte es der markante Berg auf die Toblerone. Was die dreieckige Form betrifft, gibt es verschiedene Legenden. Meist wird angenommen, Theodor Tobler habe sich von Alpengipfeln inspirieren lassen. Toblers Söhnen zufolge waren aber eher Tänzerinnen der Pariser Revue Folies Bergère, die sich am Ende der Vorstellung in ihren rot-cremefarbigen Kleidchen zu einer Pyramide gruppierten, Vorbild für die Toblerone. Theodor Tobler liess seine Erfindung 1909 beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum in Bern patentieren. Einer der Beamten hiess Albert Einstein. Es ist also durchaus möglich, dass der weltberühmte Physiker mit der weltberühmten Schokolade zu tun hatte. 

Die Geschichte der Toblerone ist auch die Geschichte von Theodor Tobler. Er war ein Selfmademan, ein Patron mit sozialem Gewissen, der gut zu seinen Angestellten schaute, und dazu ein Pazifist. Tobler gehörte den Freimaurern an, warb für das Frauenstimmrecht und den Mutterschutz. 1931 wäre beinahe Schluss gewesen mit der Toblerone: Die Firma musste um Nachlassstundung ersuchen, konnte aber unter einer neuen Führung saniert werden. Tobler musste gehen. Die Firma fusionierte später mit Suchard, der Erfinderin der Marke Milka. 1982 übernahm der Bremer Kaffeeröster Klaus Jacobs die Toblerone. Seit 1990 gehören die Marken von Jacobs Suchard zum US-Lebensmittelkonzern Mondelez (damals Kraft Foods). Die weltweit einzige Fabrik steht in Bern-Brünnen, wo rund 300 Angestellte pro Jahr etwa 35 000 Tonnen Toblerone produzieren. Sie entsteht dort – und nur dort, damit auf der Verpackung „Swiss Milk Chocolate“ stehen darf.

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1947: Sparschäler Rex. Never change a winning horse

Stellen Sie sich vor, Ihr Auto ist 65 Jahre alt und Sie fahren immer noch damit herum. Genauso alt ist der Sparschäler Rex – und trotzdem modern. Nichts weniger als den besten Sparschäler der Welt wollte Alfred Neweczerzal herstellen. Nicht nur für die damalige Zeit, sondern für die Ewigkeit! 1947 erfand der Nachfahre tschechischer Einwanderer den Sparschäler mit einer quer liegenden, beweglichen Klinge, und liess ihn patentieren – heute kennt jedes Kind den Rex. Das beweisen die Verkaufszahlen. Der Sparschäler wird Jahr für Jahr eine Million Mal verkauft. Weltweit! Er besticht durch einfache Konstruktion, präzise Fertigung und perfekte Ergonomie. Nicht umsonst ist er ein Paradebeispiel für Schweizer Design und hat seinen Siegeszug rund um den Globus angetreten. Der Höhepunkt seiner Karriere war die Aufnahme in die Sammlung des MOMA New York. Wie andere Ikonen der Designgeschichte, darunter der Porsche 911 oder die Rolex Submariner, wird auch der Sparschäler Rex nach einem zeitlosen Entwurf gefertigt, der seit seiner Erfindung nie verändert wurde. Auch nach 65 Jahren siegt er im Praxistest noch gegen so manchen modernen Konkurrenten. Wir wetten, dass er auch in 50 Jahren noch genauso modern sein wird.

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1952: Rivella. Das inoffizielle Nationalgetränk der Schweiz

Rivella ist ein Phänomen: Alle kennen es, fast alle mögen es, und es ist ein fester Bestandteil der Schweiz. Doch was steckt dahinter? Was macht Rivella einzigartig? 

Am Anfang stand ein Jusstudent mit einer verrückten Idee: Er wollte ein Getränk erfinden, das anders sein sollte als alles andere. Aus Milchserum sollte es sein, gesund, den Durst löschen und erst noch gut schmecken. Robert Barth aus Rapperswil am Zürichsee wurde belächelt für seine Vision. Andere zeigten ihm den Vogel, damals Anfang der 1950er-Jahre. Doch Barth liess nicht locker und setzte seine Idee um. 1952 begann er in Stäfa mit der Produktion von Rivella. Der Name ist abgeleitet vom italienischen Wort „Rivelazione“, was auf Deutsch „Offenbarung“ bedeutet. Das neuartige Getränk schlug ein wie eine Bombe. Der Rest ist Geschichte. Rivella geniesst heute in der Schweiz einen Bekanntheitsgrad von fast 100 %. Wir trinken jedes Jahr 80 Millionen Liter davon, das sind zehn Liter pro Kopf. Im Ausland kommen nochmals knapp 30 Millionen Liter dazu. Die Gewinnzahlen von Rivella kennen die wenigsten der 254 Mitarbeitenden: Das Unternehmen befindet sich immer noch im Besitz der Familie Barth. 

Rivella machte in seiner Geschichte immer wieder mit guten Ideen auf sich aufmerksam: 1958 wurde auf Anregung der holländischen Diabetikergesellschaft Rivella blau entwickelt. Als erste zuckerfreie Limonade auf dem Markt war das blaue Rivella zuerst in den Niederlanden erhältlich, ab 1959 dann auch in der Schweiz. Und das, 25 Jahre bevor die Light-Welle aus den USA nach Europa schwappte – Coca-Cola light wurde erst 1983 lanciert. Rivella grün schliesslich kam 1999 auf den Markt. Der Werbeslogan „Sportler trinken Rivella“ aus den 1970er-Jahren hat bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren. Rivella ist langjähriger Partner der Schweizer Ski-Nationalmannschaft, des Swiss-Olympic- sowie des Swiss-Paralympic-Teams. Zudem unterstützt Rivella jedes Jahr über 1 000 Breitensportveranstaltungen. 

Rivella ist das beliebteste Schweizer Erfrischungsgetränk und gehört seit 2008 zum kulinarischen Erbe der Schweiz. Spätestens seit diesem Ritterschlag wurde es sozusagen auch offiziell zum inoffiziellen Nationalgetränk. 

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1969: Rakete-Glace. Die Schweizer Rakete bricht alle Rekorde

Für Neil Armstrong war es ein kleiner Schritt. Aber für die Glace-Macher ein riesiger Sprung in ihrer Firmengeschichte. Als der erste Mensch seinen Fuss auf den Mond setzte, lancierte Frisco eine Glace in Raketenform, die natürlich Rakete hiess. Wie ihr grosses Vorbild, die Saturn V der NASA, zündete auch die Frisco-Rakete in drei Stufen – und zwar ein Feuerwerk im Gaumen der kleinen und grossen Geniesser. Stufe 1: Die mit Schokolade überzogene Spitze. Der erste Eindruck zählt, der erste Biss ist prägend und beeinflusst alle späteren Kaufentscheide. Stufe 2: Die weisse Glace gleicht der Farbe der Mondrakete. Stufe 3: Die orange Basis symbolisiert das mächtige Schubfeuer, das die Rakete in den Himmel schiesst. So jedenfalls stellten wir uns das damals vor. Die Rakete begleitete uns von da an jeden Sommer. Sie gehörte zur Badi wie Schwimmflügeli, die Sonnencreme von Sherpa und der Antibrumm-Mückenspray. Ein Erfolgsfaktor der Rakete ist ihre Einfachheit. Seit rund 50 Jahren schmeckt sie nach Orange und Ananas. Sie ist eine der meistverkauften Glaces der Schweiz. Über acht Millionen Raketen lutschen wir jedes Jahr. Bei der Mondlandung kostete sie 30 Rappen, heute je nach Verkaufsort rund einen Franken. Die Rakete hat längst Kultstatus erreicht, verfügt über eine eigene Facebook-Seite und regt zu Fanpost an die Herstellerin an. Produziert wird sie bis heute in Goldach am Bodensee. 

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1891: Schweizer Armeemesser. Oft kopiert – nie erreicht!

Ende der 1880er-Jahre beschaffte die Schweizer Armee ein neues, klappbares Soldatenmesser. Es sollte u.a. beim Essen sowie beim Zerlegen des Gewehres gute Dienste leisten. Es enthielt eine Klinge, einen Dosenöffner, einen Schraubenzieher und eine Ahle. 1897 wurde der Begriff „Schweizer Offiziers- und Sportmesser“ als Handelsmarke geschützt. Alle Angehörigen der Schweizer Armee erhalten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts das gleiche Messer, ein spezielles Offiziersmesser gibt es nicht. So wird die zivile Version des Soldatenmessers umgangssprachlich genannt. Neben der Schweizer Armee führten auch die Streitkräfte von über 20 weiteren Staaten das Taschenmesser ein, darunter Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Malaysia. Zur Standardausrüstung jedes NASA-Astronauten der Mond-Mission gehörte neben einer Omega Speedmaster auch ein Messer vom Typ Victorinox Master Craftsman. Für Sammler gab es dieses in einer exklusiven Version mit Brillanten, die in Gold oder Platin eingefasst waren. In der US-amerikanischen Fernsehserie „MacGyver“ waren Taschenmesser von Victorinox ein häufig benutztes Werkzeug des Titelhelden. Den Weltrekord hält das Giant Knife von Wenger. Es verfügt über 87 Werkzeuge mit 141 Funktionen, ist 24 cm breit, 1,3 kg schwer und kostet über 1 000 Franken. Der kleinste Werkzeugkasten der Welt wurde nicht für den täglichen Gebrauch, sondern für Sammler konzipiert.

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1904: Ovomaltine. Der Schweizer Exportschlager kann’s am längsten

Die Ovomaltine wird heute in 100 Ländern verkauft und ist bei Erdenbürgerinnen und ‑bürgern etwa so bekannt wie Roger Federer oder die Rolex. Sie gehört wie Toblerone, Ragusa oder Sugus zu den Highlights der Schweizer Lebensmittelindustrie. Die Legende Ovo nahm vor über hundert Jahren ihren Anfang. Der Apotheker Georg Wander eröffnete 1865 ein „chemisch-technisches und analytisches“ Laboratorium in Bern. Er suchte nach einem Mittel, um der damals verbreiteten Mangelernährung vorzubeugen und entwickelte einen Malzextrakt, den Grundbestandteil der späteren Ovomaltine. Wanders Idee leuchtet ein: Die Gerste, die aus der Erde spriesst und an der Sonne reift, als Rohstoff für das Malz, dann das Ei als Inbegriff der Fruchtbarkeit, die Milch als erste und vollwertige Nahrung des Kleinkindes und schliesslich zur geschmacklichen Abrundung etwas Kakao. 30 Jahre später übernahm Albert Wander die Firma seines Vaters. Er entwickelte dessen Kraftnahrungsmittel weiter, was 1904 zur Ovomaltine führte. Der Energy-Drink des beginnenden 20. Jahrhunderts war geboren. Bereits neun Jahre später expandierte Wander und eröffnete die erste Fabrik in England.

Ovo und Sport – ein unzertrennliches Duo. 1923 bot Ovomaltine bei einem Wettkampf der Universität Bern erstmals einen Verpflegungsstand an und wurde so zum Pionier des Eventsponsorings. Das Kraftgetränk wurde für Sportler in Szene gesetzt, eine Werbestrategie, die später mit Ferdy Kübler fortgeführt wurde. Als die Schweizer Fussball-Nati noch regelmässig an Weltmeisterschaften teilnahm, reiste die Ovomaltine mit – und sie schmeckte auch der Fussball-Legende Pele. 1962 wurde er ihr Markenbotschafter. Ende der 1970er-Jahre entstand der Slogan „Häsch Dini Ovo hüt scho ghaa?“, der zum geflügelten Wort wurde. Wie die Schweizer Regierung kennt auch die Ovomaltine eine Zauberformel: Seit ihrer Erfindung basiert das Getränkepulver auf dem Originalrezept von Dr. Albert Wander.

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1924: Caran d’Ache. Vom Genfer Bleistift zur Schweizer Weltmarke

Caran d’Ache ist der Künstlername, unter dem Emmanuel Poiré, ein französischer, aus Russland stammender Zeichner im 19. Jahrhundert weltbekannt wurde. Die Wahl dieses Namens stellte sich als treffend heraus, denn „karandash” heisst übersetzt „Bleistift“. Das russische Wort leitet sich vom türkischen „kara tash” ab, was „schwarzer Stein” bedeutet. Damit sind wir bei den Ursprüngen des Grafits. Diese natürliche Substanz kam in den Schweizer Bergen vor und führte 1915 in Genf zur Entstehung der ersten Schweizer Bleistiftfabrik. Unter der Leitung ihres visionären Gründers Arnold Schweitzer nahm sie neun Jahre später den Namen des berühmten Zeichners an. 1931 revolutionierte Caran d’Ache die Zeichen- und Illustrationskunst mit Prismalo, dem ersten Farbstift, dessen Mine mit Wasser vermalt werden kann.

Um die künstlerische Sensibilisierung von Schülerinnen und Schülern zu fördern, erfand Caran d’Ache eine neue Rezeptur für Wachspastelle. So entstand 1952 der Neocolor I, der heute ein unverzichtbares Künstlerprodukt ist. 1972 wurde die wasservermalbare Variante Neocolor II auf den Markt gebracht. Auch wegen der privilegierten Stellung als Lieferant von Schreibwaren an Schulen gehört das Unternehmen zu den bekanntesten in der Schweiz. Neben der Prismalo-Schachtel in jedem Schülerpult war an jedem Lehrerpult die robuste Spitzmaschine  von Caran d’Ache festgeschraubt.

Mit dem 849 lancierte Caran d’Ache 1953 die Kugelschreiberlegende schlechthin. Der sechseckige Schaft aus Metall ist auf den ersten Blick erkennbar und verleiht dem Ecridor 849 den Status einer modernen Ikone. Bis in die 1990er-Jahre blieb Caran d’Ache auf den schweizerischen Markt beschränkt. Seither hat das Unternehmen eine expansive Strategie entwickelt und Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, den USA, Japan und Dubai gegründet. Zum internationalen Auftritt gehören auch Verkaufslokale in Flughäfen und die Betonung von Swiss Made als Qualitätsausweis. Die Strategie ging auf. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts knackte Caran d’Ache die Umsatzmarke von hundert Millionen Franken.

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1953: Aromat. Gelb würzt die ganze Nation

Bei den einen beliebt, bei den anderen verpönt: So oder so, Aromat ist Teil unserer kulinarischen DNS. Knorrs gelbes Universalwürzmittel begleitet und prägt uns Schweizerinnen und Schweizer von Kindsbeinen an, und zwar mittlerweile in der vierten Generation. Heute werden hierzulande jedes Jahr mehr als sieben Millionen Aromatdosen verkauft. Das macht fast eine pro Kopf. Wenn sich auch nicht jedermann das gelbe Pulver zum Zvieri aufs Butterbrot streuen mag, so ist unsere Volksseele dem Gewürzklassiker doch ähnlich treu wie der Ovomaltine, dem Rivella oder der Toblerone. Auf Schulreisen hat das berühmte Döschen im Rucksack einen Ehrenplatz neben Cervelat und Armeemesser. Die Werbekampagne zur Einführung der gelben Dose ist heute legendär. Nach nur neun Monaten kannten 80 % der Bevölkerung die praktische Streudose mit dem roten Deckel. Knorr verschenkte damals 30 000 Menagen an Gasthäuser und Kantinen. Dort hat das Dreigestirn von Salz, Pfeffer und Aromat seither einen Stammplatz. Eine Beiz ist keine richtige Schweizer Beiz, wenn nicht auf jedem Tisch die obligate Menage mit der Aromatdose steht. Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, dass Aromat bei Reisen ins Ausland in der letzten Schweizer Raststätte „stibizt“ wird, damit auch in den Ferien ein Stück Heimat dabei ist.

 

Aromat

1938 Tigerfinkli. Den Tiger im Schuhschrank

Gewisse Dinge haben im Langzeitgedächtnis von Herrn und Frau Schweizer einen Ehrenplatz. In die Rubrik „schönste Kindheitserinnerungen“ gehören neben der Ovomaltine und Bernhard Russi auch die Tigerfinkli. Generationen von Kindern haben die herzigen Schuhe mit dem roten Pompon getragen. Warum aber Tiger? Das Muster gleicht doch eher dem Fell eines Leoparden oder Geparden. Vermutlich bürgerte sich der Name ein, weil wir den Finken schon immer so nannten. Tiger, Leoparden oder anderes Dschungelgetier – das ist doch für Kinder im Vorschulalter einerlei. Seit 1938 werden die Tigerfinken hergestellt. Lange Zeit in Fehraltorf, wo die Manufaktur ihres Erfinders Edi Glogg stand. In Spitzenzeiten verliessen 80 000 Paar pro Jahr das Werk. Heute werden die Tigerfinkli nach wie vor in aufwendiger Handarbeit im polnischen Wagrowiec gefertigt.

Tiegerfinkli

Text: Michael Kummer, Bestswiss

Teil III folgt in Kürze.

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