Das Schweizerkreuz

Das Schweizerkreuz geniesst hohes Ansehen in der Welt. Deshalb wird es gerne als Gütesiegel für Waren und Dienstleistungen verwendet – nicht immer zu Recht. Erfahren Sie mehr über die Herkunft des weissen Kreuzes auf rotem Grund.

Das Schweizerkreuz prangt auf vielen hochwertigen Produkten, die in die ganze Welt exportiert werden. Die Herkunftsbezeichnung Schweiz symbolisiert eine hohe Glaubwürdigkeit und transportiert Qualitätswerte wie Zuverlässigkeit, Sicherheit und Innovation. Viele Menschen verbinden genau diese Werte mit der Schweizer Flagge. Rund 40 % der inländischen Bevölkerung achten beim Einkaufen auf die Herkunft der Produkte.
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Markenzusatz Schweizerkreuz
Das Schweizerkreuz auf der Verpackung ist deshalb auch für bekannte und bereits etablierte Marken sehr wertvoll. Seit dem 1. Januar 2017 darf es nicht mehr nur zur Kennzeichnung von Dienstleistungen, sondern auch von Produkten verwendet werden. Gemäss amtlicher Definition ist das Schweizerkreuz ein aufrechtes, frei stehendes weisses Kreuz in einem roten Feld, wobei die Arme des Kreuzes ein Sechstel länger als breit sein müssen. Das Spezielle an der Schweizer Flagge ist, dass sie streng quadratisch zu sein hat – alle anderen Fahnen der 193 Staaten der Erde bzw. der UN-Mitgliedstaaten sind rechteckig. Der Sonderfall Schweiz zeigt Flagge!

Erkennungsmarke der Alten Eidgenossen
Das weisse Kreuz galt als Symbol für das Christentum. Im 13. Jahrhundert wurde das Recht, ein Kreuz auf der Flagge zu tragen, vom Kaiser als besondere Auszeichnung an Städte und Grafschaften verliehen. Um verbündete Eidgenossen zu erkennen und die Verbündeten nicht versehentlich mit der Hellebarde zu schlagen, trugen die Soldaten im Spätmittelalter ein Kreuz aus Leinwand an ihren Gewändern. Angeblich führten die Eidgenossen ab 1289 als gemeinsames Feldzeichen ein Kreuz auf ihren Bannern mit. Das durchgehende weisse Kreuz wurde 1339 von den Bernern in der Schlacht von Laupen erstmals getragen. Es unterschied sich vom roten St. Georgskreuz der Habsburger und dem Andreaskreuz der Burgunder. Das weisse Kreuz wurde ab dem 15. Jahrhundert auch auf den übrigen eidgenössischen Feldzeichen, den sogenannten Fähnlein oder Bannern, geführt.
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Keine einheitliche Flagge für die Eidgenossenschaft
Die Standesfahnen dagegen zeigten weiterhin die Wappen der Orte. Da jeder Kanton souverän war, besass die alte Eidgenossenschaft keine gemeinsame Flagge. Offizielle Hoheitszeichen waren die Wappen der Kantone. Die ersten bildlichen Darstellungen des Schweizerkreuzes als Fahne finden sich in der Luzerner Chronik von 1513. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das weisse Kreuz als eidgenössisches Kreuz bezeichnet und auch im nichtmilitärischen Bereich verwendet, etwa als Prägesiegel auf Münzen. Die Arme des Kreuzes waren damals aber noch schmal und wie bei den skandinavischen Flaggen bis zum Rand hin durchgezogen. Ab dem 17. Jahrhundert erschien das eidgenössische Kreuz auf den in den Kantonsfarben geflammten Truppenfahnen.

Napoleon verbannt das Schweizerkreuz
Der Einmarsch Napoleons in Bern bedeutete für das Schweizerkreuz zunächst das „Ende der Fahnenstange“. Der Eroberer beendete nicht nur die Alte Eidgenossenschaft und verordnete ihr mit der Helvetischen Republik eine zeitgemässe Staatsform, er lancierte auch eine gesamtschweizerische Fahne, eine Trikolore in den Farben Grün, Rot und Gelb nach französischem Vorbild. Nach der Absetzung Napoleons sicherte der Wiener Kongress der Schweiz 1815 die Neutralität zu. Und das Kreuz wurde zum offiziellen Schweizer Wappen. Zunächst diente es aber nur als Siegel und wurde noch nicht als Flagge verwendet.
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Einheitliche Fahne unter General Dufour
Um 1840 wurde die Schweizerfahne zur einheitlichen Flagge der Armee und setzte sich so nach und nach als nationales Symbol durch. General Henri Dufour forderte, dass die eidgenössischen Infanteriebataillone eine einheitliche Fahne tragen sollten. Diese zeigte ein weisses Kreuz auf rotem Grund mit dem Namen des Kantons in Gold auf dem Querbalken des Kreuzes. Das Schweizerkreuz von Dufour war aus fünf Quadraten zusammengesetzt und unterschied sich deutlich vom früher verwendeten schlanken Kreuz. Die Schweizer Fahne war zudem Vorbild für das Zeichen des Roten Kreuzes. Es ist eine Umkehrung des Schweizerkreuzes und wurde zu Ehren Henry Dunants, dem Gründer des Roten Kreuzes, festgelegt.
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Schweizerkreuz des Bundesstaats ab 1848
Die eidgenössische Militärfahne wurde 1848 vom neu gegründeten Bundesstaat übernommen. 1889 legte die eidgenössische Bundesversammlung die heutige Form des Schweizerkreuzes im Wappen fest: „Das Wappen der Eidgenossenschaft ist im roten Felde ein aufrechtes, frei stehendes weisses Kreuz, dessen unter sich gleiche Arme je einen Sechstel länger als breit sind.“ Das Verhältnis von Breite und Länge der Kreuzarme beträgt also 6 : 7, jenes von Breite und Gesamtlänge des Kreuzbalkens 6 : 20. Das Grössenverhältnis des Kreuzes zum Quadrat ist nicht definiert.
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Wann darf das Schweizerkreuz verwendet werden?
Der Gebrauch des Schweizerkreuzes auf einem Produkt oder im Zusammenhang mit einer Dienstleistung wird in der Regel als geografischer Hinweis verstanden. Die Benutzung setzt daher voraus, dass es sich um Schweizer Produkte handelt und dass die Kriterien zum Gebrauch der Bezeichnung „Swiss Made“ erfüllt werden. Das Schweizerkreuz darf also z. B. für in der Schweiz hergestellte Uhren oder Schokolade verwendet werden. Wird es hingegen bloss dekorativ (z. B. auf einem T-Shirt) benutzt, liegt kein geografischer Hinweis vor. In keinem Fall darf der Gebrauch des Schweizerkreuzes irreführend oder unzutreffend sein oder gegen die öffentliche Ordnung, die guten Sitten oder geltendes Recht verstossen.

Swissness-Gesetz regelt Gebrauch des Schweizerkreuzes
Seit dem 1. Januar 2017 ist die neue Swissness-Verordnung in Kraft. Sie legt fest, wie viel Schweiz drin sein muss, damit das Kreuz draufstehen darf. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:

•    Der Hauptsitz der Firma befindet sich in der Schweiz.
•    Industriegüter: Mindestens 60 % der Produktionskosten fallen in der Schweiz an und der wichtigste Herstellungsschritt (Endmontage) findet in der Schweiz statt.
•    Lebensmittel: mind. 80 % der Agrarrohstoffe müssen aus der Schweiz stammen (rund 60 Ausnahmen, u.a. Kakao, Erdnüsse).
•    Milch als Rohstoff muss sogar zu 100 % aus der Schweiz kommen.

Mehr zum Swissness-Gesetz finden Sie hier
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Darf das Schweizer Wappen gebraucht werden?
Die Verwendung des Schweizer Wappens (als solches gilt ein Schweizerkreuz in einem Dreiecksschild) bleibt restriktiv: Sie bleibt grundsätzlich der Eidgenossenschaft vorbehalten. Eine Ausnahme gilt für Unternehmen, die das Wappen schon seit Jahrzehnten benutzen durften (z.B. Victorinox für Taschenmesser). Sie können innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes einen Antrag auf Weiterbenützung stellen. Liegen berechtigte Interessen vor, wird ein solches Recht eingeräumt. Das Schweizerkreuz transportiert Vertrauen, einen guten Ruf und einen hohen Qualitätsanspruch – Attribute, die in einer sich rasch verändernden Welt mit einer erfolgreichen Zukunft und Sicherheit gleichgesetzt werden. Und es rechtfertigt mit diesem Markenzusatz höhere Preise.

Bestswiss ist die führende Online-Plattform mit der grössten Auswahl an guten Schweizer Produkten. Die bei uns vorgestellten Marken sind handverlesen, die Produkte werden in der Schweiz hergestellt oder zumindest entworfen und entwickelt. Die genaue Herkunft wird bei Bestswiss transparent ausgewiesen.

Text: Michael Kummer, Bestswiss